Bernarda Albas Haus - AD Theater-AG

Direkt zum Seiteninhalt
Vergangene Spielzeiten > Spielzeit 2004 / 2005
Bernarda Albas Haus
Tragödie von den Frauen in den Dörfern Spaniens
von Federico García Lorca

Bernarda Albas Haus ist ein Gefängnis
 
So ist es nur selbstverständlich, dass es zu Ausbruchsversuche der fünf unterschiedlichen Töchter der Bernarda Alba kommt, die von ihrer despotischen Mutter nach dem Tode des Vaters und Familien-oberhauptes für eine achtjährige Trauerzeit im elterlichen Anwesen eingeschlossen werden sollen. Doch so einfach wie ihre geistig verwirrte Mutter kann Bernarda ihre Töchter nicht wegschließen, zu groß ist der Druck, der sich innerhalb der Generationen aufbaut.

Federico García Lorca beobachtet die unterschiedlichen Frauenrollen sehr genau, und die Lösung des Stücks ist auch heute noch ungemein unbequem.

Bernarda Alba
Kaja R.
Maria Josefa, Bernardas Mutter
Charlotte B.
Angustias, Bernardas älteste Tochter
Marlein W.
Magdalena, Bernardas Tochter
Katharina C.
Amelia, Bernardas Tochter
Christin R.
Maria, Olivias Kammerfrau 
Annika M.
Martirio, Bernardas Tochter
Stephanie G.
Adela, Bernardas jüngste Tochter
Anna-Leah H.
La Poncia, eine Magd
Alana S.
Magd
Britta W.
Prudencia, eine Verwandte
Ramona W.
Bettlerin
Mareike M.
Kind
Caroline B.
Erste Frau
Katharina K.
Zweite Frau
Stefanie H.
Dritte Frau
Mareike M.
Vierte Frau
Theresa W.
Antonio María Benavides, Bernardas zweiter Mann
Sebastian S.
Dorfgeistlicher
Philipp P.
Erster Mann
Lars Lukas H.
Zweiter Mann
Sebastian M.
Dritter Mann
Marc R.
Vierter Mann
Christian B.
Pepe el Romano
Matthias M.
                    Backstage
Leitung
Thomas Mehl
Mitarbeit
Andrea Köhler
Eine Produktion der
Theater AG 9-12

Federico García Lorca

 Der Dichter weist auf seine Absicht hin,
dass er den drei Akten den Charakter eines
photographisch dokumentarischen Berichtes geben wollte.

Federico García Lorca wurde am 5. Juni 1898 in Fuente Vaqueros bei Granada als Sohn eines Gutsbesit­zers geboren. In einem vornehmen Internat erzogen, studierte er zu­nächst Rechtswissenschaft in Gra­nada und ging dann als Student der Rechte und Philosophie nach Mad­rid. Dort wurde er in avantgardisti­schen Künstlerkrei­sen aufgenom­men. Mit seinem Mu­siklehrer sam­melte er andalusische Volkslieder. Sein erstes Drama, Die Hexerei des Schmetterlings, fiel in Madrid durch, doch seine Lyrik, vor allem seine Zigeunerromanzen, brachten ihm frühen Ruhm. Nach ei­ner Reise durch Europa, die ihn mit Künstlern der Moderne bekannt machte, ging er 1929 in die USA, setzte an der Columbia University seine Studien fort und verbrachte ei­nige Zeit auf Kuba. 1930 kehrte er wieder nach Spanien zurück und übernahm 1932 die Direktion einer Studenten-Wan­derbühne, die Auffüh­rungen spani­scher Klassiker in der Provinz zeigte. 1933 folgte er einer Einla­dung nach Argentinien, wo er meh­rere seiner Stücke inszenierte. In den Wirren des Franco-Putsches wurde Lorca, der zwar die soziale Rück­ständigkeit Spaniens bekämpfte, aber keiner Partei angehörte, festge­nommen und am 19. August 1936 von der falangistischen Guardia Ci­vil ohne Gerichtsverfahren in der Nähe von Granada erschossen.
   Der Tod nimmt in Lorcas Schaffen zentrale Bedeutung ein: Nicht nur in der Form eines gewaltsam herbeige­führten Lebensendes, er steht auch als Zeichen hinter ungelebtem, er­starrten und verhindertem Leben: die lebendig eingemauerten Töchter der Bernarda Alba, die verwelkende Ro­sita, die un­fruchtbare Yerma.

Werke:    1920 Die Hexerei des Schmetterlings
              1927 Maria Pineda
              1930 Die wundersame Schusterfrau
              1931 Das Publikum
              1933 In seinem Garten liebt Don Perlimpin seine Belisa
              1933 Bluthochzeit
              1934 Yerma
              1934 Dona Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen
                  1936 Bernarda Albas Haus
[image:image-0]

Gedanken zum Theater

Ich spreche heute Abend nicht als Autor, nicht als Dichter, nicht als ein­facher Beobachter des reichen Pano­ramas des menschlichen Lebens, son­dern als glühender Verehrer des The­aters der sozialen Aktion. Das Theater ist eines der ausdrucksvollsten und nützlichsten Mittel, um ein Land auf­zubauen, und das Barometer, das seine Größe und seinen Abstieg an­zeigt.
 
Das Theater ist eine Schule des Wei­nens und des Lachens und eine freie Tribüne, auf der die Menschen alte oder irrige Morallehren deutlich zei­gen und durch lebendige Beispiele ewige regeln des menschlichen Her­zens und Gefühls ausdrücken können.
 
Ein Volk, das seinem Theater nicht hilft und es nicht fördert, ist, wenn nicht tot, so doch todkrank; so auch das Theater, das nicht den sozialen Pulsschlag der Geschichte aufnimmt, das Drama ihrer Menschen, die unver­fälschte Eigenart ihrer Landschaft und ihres Geistes, ihr Lachen und ihr Wei­nen: solche ein Theater hat nicht das Recht, sich Theater zu nennen, son­dern muss Speisesaal heißen oder Ort, wo man das Abscheuliche tut, was mit Zeitvertreib bezeichnet wird. Ich spiele auf niemanden an und will niemanden verletzen. Ich spreche nicht von gegenwärtiger Wirklichkeit, von sondern etwas Problematischen, das aufgeworfen, aber nicht gelöst wird.

Jeden Tag, liebe Freunde, höre ich von der Krise des Theaters reden, und immer denke ich, dass dieses Übel nicht vor unseren Augen, sondern im Verborgensten seines Wesens liegt; es ist kein Übel, das nur vorrübergehend an der Oberfläche auftritt, das heißt mit anderen Worten, der Leistung, sondern es ist zutiefst eingewurzelt, es ist mit einem Wort, ein organisatori­sches Übel. Während Schauspieler und Autoren in der Hand lediglich kommerzieller Unternehmer sind, die frei und ohne literarische oder in ir­gendeiner Hinsicht staatliche Kon­trolle schalten – Unternehmungen bar jedes Urteils, jeder irgendwie gearte­ten Garantie - , gehen Schauspieler, Autoren und das ganze Theater von Tag zu Tag mehr und mehr rettungs­los zugrunde.
 
Das Theater muss sich beim Publikum durchsetzen, nicht das Publikum beim Theater. Um das zu erreichen, haben Autoren und Schauspieler eine große Autorität sich anzueignen, koste es, was es wolle; denn das Theaterpubli­kum ist wie die Schulkinder: der strenge, ernste Lehrer wird verehrt, und die Stühle der zaghaften, hudeln­den Lehrer, die nicht lehren und nicht lernen lassen, werden mit grausamen Nadeln gespickt.
 
Man kann das Publikum belehren – es sei festgestellt, dass ich nicht Volk sage, sondern Publikum; man kann es belehren.
Federico García Lorca

Zurück zum Seiteninhalt